1266 Einwohner zählt unser schönes Dorf im Odenwald.  Ober-Beerbach zählt zur Gemeinde Seeheim-Jugenheim und ist somit auch am Rande der blühenden Bergstraße...
Ein kleines Fachwerkhäuschen fällt sofort ins Auge, wenn man Ober-Beerbach auf der Eberstädterstrasse durchfährt. Über einer hohen Stützmauer liegt es am Rande einer Terrasse...
  In unmittelbarer Nähe liegt die Burg Frankenstein. Nieder-Beerbach hat die Ehre und zählt diesen Grund zu ihrer Gemarkung. Sagen und Märchen, Wahres und Unwahres, Vorstellungen von romantischer Ritterherrlichkeit bis hin zu Gespenstergeschichten...

 


1266 Einwohner zählt unser schönes Dorf im Odenwald.Ober-Beerbach zählt zur Gemeinde Seeheim-Jugenheim und ist somit auch am Rande der blühenden Bergstraße.
Im Totenbuch des Klosters Lorsch findet sich die erste Erwähnung von Ober-Beerbach. 
Zu Ober-Beerbach zählen auch die Ortsteile Steigerts und Stettbach sowie Heinzenklingen und Wallhausen.Ein Adliger namens Werner schenkte dem Kloster eine Hube in Wallhausen und zwei Teile an der Kirche in Berebach uperiore. 
Die Stiftung muss zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert erfolgt sein. 
Dieser urkundliche Beleg beweist, dass es schon vor dem Jahre 1200 die Siedlung Ober-Beerbach, eine Hube in Wallhausen und sogar eine Kirche gegeben hat. 
Wallhausen ist in dieser Lorscher Urkunde als „Waltenhusen” bezeugt. 
Die Besiedlung von Steigerts begann vor etwa 200 Jahren. Stettbach ist schon 1420 als „Stedebach” bezeugt, als Hademar zu Laber seinen Besitz hier an den Pfalzgrafen Ludwig verkaufte. 
Stettbach gehörte bereits seit 1699zur Gemeinde Ober-Beerbach.

Top


Ein kleines Fachwerkhäuschen fällt sofort ins Auge, wenn man Ober-Beerbach auf der Eberstädterstrasse durchfährt. Über einer hohen Stützmauer liegt es am Rande einer Terrasse, auf der sich eine Hofanlage ausbreitet. Gut erhalten ist das einfache Fachwerk des eingeschossigen, zweizonigen Hauses mit Satteldach, das aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt. Vielfach sind Häuser dieser Größe und Schlichtheit von den Gemeinden als Unterkünfte für ihre Hirten gebaut worden, oder von Bauern als "Auszugshaus" oder "Altenteil", das sie nach Übergabe des Hofes an ihre Kinder bezogen.
Hier handelt es sich jedoch um das ursprüngliche Wohnhaus des Bauernhofes. Erst um 1927 wurde das neue, große Wohngebäude errichtet. Insofern gibt das Fachwerkhaus, als ein selten erhaltenes Beispiel, Einblick in die sehr bescheidenen Wohnverhältnisse einer wenig begüterten Bauernfamilie des frühen 19. Jahrhunderts.

Top


  In unmittelbarer Nähe liegt die Burg Frankenstein. Nieder-Beerbach hat die Ehre und zählt diesen Grund zu ihrer Gemarkung. Nieder-Beerbach ist aber hier nicht der Rede wert und es liegt uns fern über dieses Völkchen zu berichten.... Wie Sie unverkennbar bemerkt haben liegt ein zynischer Wind im Wort und soll aber nicht Anlass für Streitigkeiten geben. Diese gab es zu Genüge zwischen den Orten Ober und Nieder-Beerbach und es gibt diverse Erzählungen und Märchen über das „sich nicht riechen können“- Die heutige Generation aber hat das längst hinter sich gelassen und man scherzt gemeinsam über die Auseinandersetzungen aus alten Tagen.

Zurück zur Burg Frankenstein

Sagen und Märchen, Wahres und Unwahres, Vorstellungen von romantischer Ritterherrlichkeit bis hin zu Gespenstergeschichten, all das rankt sich um das gut 750 Jahre alte Gemäuer der Burg Frankenstein. Die auf hartem Fels errichtete Burg war einige Jahrhunderte lang der Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft unter dem uradeligen Geschlecht derer von und zu Frankenstein. Diese aus dem Odenwald stammende Adelsfamilie blüht noch heute, und sie hat ganz und gar nichts zu tun mit jenen Schauergeschichten, die sich für so manchen Besucher mit dem Namen ,,Frankenstein" verbinden
Das Monster des ,,Doktor Frankenstein" entspringt der dichterischen Eingebung von Mary Shelley, einer englischen Schriftstellerin, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts während einer Schiffsreise auf dem Rhein vielleicht auch einen Besuch auf der damals schon verfallenen Burg unternahm und den Namen Frankenstein wohl als passend für ihren Gruselroman fand. Ob sie dort auch etwas von jenem Alchimisten gehört hat, der hundert Jahre zuvor in der Burg chemische Versuche unternommen hatte, bei denen es vermutlich auch Explosionen oder andere Dinge gegeben haben mag, von den unwissenden Bauern der Gegend in ihren Erzählungen noch recht ausgemalt, - wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass sich die umliegenden Dorfbewohner zu keiner Zeit vor einem mordlustigen Monster hatten fürchten müssen. Dieses bleibt dem Roman vorbehalten.

Angesicht heutiger Ruinen darf man auch nicht auf einstmalige Raubritterkämpfe oder kriegerische Handlungen schließen. Zu keiner Zeit war die Burg in Belagerungen verwickelt, keine kriegerischen Zerstörungen fanden statt. Man ließ sie ganz einfach verfallen, nachdem sie 1662 unversehrt an Hessen gekommen war. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der hessische Großherzog Ludwig III den noch vorhandenen Ruinenbestand vor weiterem Verfall sichern und die beiden Türme wiederherstellen.

 Die im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt aufbewahrte Urkunde von 1252 ist der erste und einzig erhaltene originale Beleg für die Erwähnung einer Burg auf dem Frankenstein. Natürlich ist die Burg nicht erst in diesem Jahr gebaut worden.
Vielleicht gab es auch schon in früherer Zeit einen Herrensitz auf diesem Berg und sicher auch in Nieder-Beerbach. Doch vor 1252 taucht der Name ,,Frankenstein" im Zusammenhang mit der hiesigen Burg nicht auf. Also feiern wir 2002 die historisch einzig gesicherte Ersterwähnung vor 750 Jahren. Im gesamtgeschichtlichen Zusammenhang der Burgen an der Bergstraße ist eine frühere Zeit des Frankensteins als die des 13. Jahrhunderts ohnehin wenig wahrscheinlich.
Ein Herr Konrad II. Reiz von Breuberg und seine Gemahlin Elisabeth von Weiterstadt Urkunden 1252 ,,super castro in frangenstein" (auf der Burg am Frankenstein). Beide Eheleute gehörten angesehenem Uradel an. Konrad entstammte als Herr von Breuberg der gleichnamigen Burg im hinteren Odenwald. Er erhielt die Ländereien und Dörfer an der Bergstraße durch seine Heirat mit Elisabeth von Weiterstadt. Beide Söhne nannten sich fortan Herren von und zu Frankenstein und begründeten damit das noch heute bestehende Geschlecht.
Die Frankensteiner waren die Obrigkeit in den Dörfern Eberstadt, Nieder-Beerbach, Ober-Beerbach, Schmalbeerbach, Stettbach, Allertshofen und sogar Bobstadt im Ried. Dort waren sie die Ortsherren, Gerichtsherren und vor allem auch die Kirchenherren. Sie ernannten die örtlichen Schultheißen, die in ihrem Namen den jeweiligen Ortsgerichten vorstanden und für die dörfliche Verwaltung sorgten. Sie bestellten die Pfarrer und prüften die kirchliche Verwaltung und die Kirchenkasse. Besonders am Recht als Kirchenherren hielten die Frankensteiner lange und zähe fest, auch noch, als die Reformation 1542 auf Druck des übermächtigen Landgrafen von Hessen in der Herrschaft eingeführt wurde.
Die katholisch gebliebenen Frankensteiner übten auch über die evangelischen Kirchen ihres Gebietes ungeschmälert ihre Aufsichtsrechte aus. Den Dorfkirchen von Eberstadt und Nieder-Beerbach kam hierbei eine besondere Rolle zu, denn dort hatten die Herren ihre Familiengruft, die ältere Linie in Eberstadt und die jüngere Linie in Nieder Beerbach. In diese beiden Stämme teilte sich nämlich im 14. Jahrhundert die Familie, wobei man die Burg gemeinsam bewohnte. Um ja keine Streitigkeiten aufkommen zu lassen, wurde in einem Burgfrieden von 1363 genau beschrieben, was jedem Stamm gehörte. Burg und Herrschaft wurden sodann entsprechend aufgeteilt.
Von Anbeginn konnten die Frankensteiner ihre Herrschaftsstellung allerdings nicht völlig unabhängig ausüben. Für eine freie, eigenständige Herrschaft war an der Bergstraße im 13. Jahrhundert kein Platz mehr. Vielmehr mussten sie sich früh mächtigeren Oberherren unterordnen.
Schon 1292 begab sich Friedrich von Frankenstein in die Lehnsabhängigkeit des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen, dem späteren Stadtgründer Darmstadts. Dem Grafen wurde das Öffnungsrecht der Burg eingeräumt, wodurch er sich ihrer im Kriegsfalle bedienen konnte.
Ein Reichslehen, also niemandem untertan zu sein außer dem Kaiser, das war die Burg ursprünglich wohl nicht gewesen, denn eine zweite Urkunde einige Jahre später betonte ausdrücklich die Lehensabhängigkeit von den Katzenelnbogenern. Gewiss war diese Verbindung für die Frankensteiner auch von Vorteil, wie man überhaupt das Lehnswesen zweiseitig sehen muss. Der Lehnsmann, in diesem Falle der Frankensteiner, leistete dem Lehnsherrn Dienst und Treue. Dafür war der Lehnsherr zu Schutz und Schirm seinem Getreuen gegenüber verpflichtet.
Die Frankensteiner besaßen darüber hinaus noch weitere Besitz- und Herrenrechte als Burgmann in Zwingenberg (Schloss Auerbach), Darmstadt, Groß-Gerau (Dornberg) und andernorts. 1433 reiste Graf Philipp von Katzenelnbogen mit seinem Lehnsmann Konrad von Frankenstein bis ins Heilige Land.
In einer günstigen politischen Lage erreichten die Frankensteiner 1402 dann doch die Anerkennung der Burg zusammen mit Nieder-Beerbach als Reichslehen. Dieses Gebiet blieb fortan reichsfrei und keinem anderen Herrn untertan als dem Kaiser. Es war hierdurch vor jedermanns Zugriff rechtlich gefeit. Das übrige Territorium der Herrschaft unterlag dagegen weiterhin dem Einfluss der mächtigeren Landesherren, zunächst den Grafen von Katzenelnbogen und ab 1479 den Landgrafen von Hessen. Diesen allein oblag auch die höhere Gerichtsbarkeit und die Landesverteidigung.

Streit mit den Landgrafen von Hessen

Es lag also auf der Hand, dass es über die Abgrenzung der jeweiligen Hoheitsrechte immer wieder zu Streitigkeiten kam. Einmal war es die Erhebung des Weinzolls oder die gewaltsame Einsetzung eines hessischen Zöllners in Eberstadt, ein andermal ging es um den Feld- und Waldbesitz, um das Jagen und Fischen oder gar darum, dass frankensteinische Untertanen mit Gewalt zu Frondiensten und steuerlichen Abgaben für den hessischen Landgrafen gezwungen wurden.
Die Schwierigkeiten verstärkten sich mit der Einführung der Reformation und erst recht, als ab 1567 die hessischen Landgrafen Darmstadt zu ihrer Residenz machten und auf die kleine, ausgerechnet ,,vor ihrer Nase" liegende Ritterherrschaft einen wachsenden Druck ausübten. Fortwährend versuchten die Landgrafen in frankensteinische Zuständigkeiten und Rechte einzugreifen, um die Ritter allmählich mürbe zu machen.
Den Frankensteinern blieb da nichts anderes übrig, als sich lange und zähe mit den Mitteln des Rechtes zu wehren. Der Widerstand ließ freilich merklich nach, als 1602 und 1606 die beiden auf der Burg ansässigen Hauptlinien, der jüngere und der ältere Stamm, ausstarben.

Die im oberhessischen Ockstadt bei Friedberg wohnende Verwandtschaft gab schließlich dem landgräflichen Druck nach. Zwar hatte Großonkel Ludwig IV. in seinem Testament von 1605 noch eindringlich gemahnt, ,,das Schloss Frankenstein samt seinen Zugehörigkeiten nimmermehr an das Haus Hessen gelangen zu lassen", doch nach dem vergeblichen Versuch, Kurmainz für die frankensteinischen Territorien zu interessieren, verkauften die Herren von Frankenstein ihre Stammburg und die gesamte Herrschaft im Jahre 1662 an die Landgrafen von Hessen.
Schon einige Jahrzehnte vorher waren Teile ihres Ländchens durch Erbschaft an die Schönburger Grafen gegangen (Schönburg bei Oberwesel am Rhein) und über diese anschließend auch an Hessen.
Insgesamt brachte der Landgraf 109000 Gulden auf, eine für die damalige Zeit außerordentlich hohe Summe. Ihm war aber offensichtlich nichts zu teuer, um dieses kleine ritterschaftliche Ländchen endlich zu erwerben. Sogar die Zustimmung des Kaisers, sicher auch nicht gerade billig, wurde eingeholt, denn da es sich teilweise um reichsfreies Gebiet handelte, musste der Kaiser mit dem Verkauf einverstanden sein. Mit dem Verkaufserlös erwarben die Frankensteiner eine Herrschaft samt schönem Barockschloss im mittelfränkischen Ullstadt, wo das Geschlecht noch heute blüht.


Top